Man will die »Grüne Gentechnik« einfach nicht. Die Gründe hierfür werden in der vorliegenden Arbeit nur am Rande erwähnt. Die Genesis der Gentechnikparanoia wird gesondert und mit Fakten untermauert nachgezeichnet.[1]

Denken, Moral und Forschung verändern sich ebenso wie Genome. Seit Urzeiten ist die Pflanzenzüchtung ein ständiger die Gene verändernder Prozess, der zumeist auf der empirischen Methode des Trial & Error beruht hat. Erst seit wenigen Dekaden geben naturwissenschaftliche Erkenntnisse die Vorlage für einige neue biotechnologische und/oder biologische. Bereits die Erfolge der NPBT[2] (NBTM)[3] sind eindrucksvoll, die Verfahren sind jedoch langwierig, die mangelnde Treffsicherheit ein immenser Kostenfaktor.

Neue Methoden der Biotechnologie, SynBio und Nanotechnologie (iwF BSN)[4] setzen den Themenschwerpunkt der modernen Pflanzenforschung. Die Nutzung der BSN, insb des CRISPR/Cas9, durch eine wachsende DIY-Bio-Community zwingt dazu über moderne Wege der Pflanzenzüchtung neu nachzudenken, um ein fundiertes Fachurteil bilden zu können, das auch der Gesetzgebung wie auch der juristischen Interpretation als Ausgangspunkt dient.

Das neue Forschungsfeld der »Synthetischen Biologie« (SynBio)[5] entstammt der Molekularbiologie, der Chemie, der Biotechnologie, der Informationstechnologie und dem Ingenieurwesen. Im Rahmen der Untersuchung wird sie als „Wissenschaft des Künstlichen“ verstanden, die nun auch von Vertretern* der »Do-it-yourself-Biologie« (DIY-Bio) zugänglich ist. Ob neue Biotechnologien auch in alte gesetzliche Konzepte passen, gilt herauszufinden. Strukturelle Merkmale der BSN, die im Gegensatz traditionellen biologischen stehen, sind zu identifizieren. Das Aufspüren der für die klassische Biologie einschlägigen Gesetze ist schon überaus schwierig. In der DIY-Bio stehen Aktion und Applikation im Fokus, Gesetze verlieren als sinnvolles Konzepte der Regulierung zunehmend an Boden.

Eine methodische und rechtsdogmatische Untersuchungsarbeit kann nur im Bewusstsein der Vielschichtigkeit der DIY-Bio erfolgen. Es daher auch rechtsphilosophische und rechtspolitische Überlegungen anzustellen, um legistische Schutzlücken aufzuspüren.

FBsp 1: Gentechnik-Mücken 2014: Update 10.09.2019.

Fallbeispiele

Die gentechnisch veränderte »aedes aegypti« (Moskitos) haben sich in weniger als 5 Jahren rasant ausgebreitet. Der Anteil der modifizierten Spezies beträgt in einigen Regionen im Nordosten Brasiliens bereits bis zu 60 Prozent.[6]

In einem Versuch, die durch Moskitos übertragene Krankheiten Gelbfieberarten, Dengue-Fieber, Chikungunyafieber und Zika zu kontrollieren, ist ein Stamm von transgen modifizierten »aedes aegypti«[7] Moskitos entwickelt worden, der ein dominantes letales Gen enthält. Die Forschungs- und Entwicklungsarbeit hat das Unternehmen Oxitec Ltd. geleistet. Sobald das Letalitätsgen vollständig verbreitet wäre, sollte die Freisetzung dieser neuen GVO-Population die bestehende Gesamtpopulation nach und nach reduzieren. Ungefähr 450.000 Männchen dieser Sorte waren 27 Monate lang wöchentlich in Jacobina, im Bundesstaat Bahia in Brasilien, freigelassen worden. Der Freisetzungsstamm und die Ziel-Jacobina-Population waren – vor der Freisetzung – für 21.000 Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNP)[8] genotypisiert worden. Genetische Entnahmen der Zielpopulation waren jew 6, 12 und 27-30 Monate nach der Freisetzung durchgeführt worden. Einige lebensfähige Hybridnachkommen des Freisetzungsstammes wind offensichtlich derart robust, dass sie sich nunmehr in der Jacobina-Population »auf natürliche Weise« reproduzieren. Der freigesetzte Stamm ist kubanischen Ursprungs; er wurde iwF mit einer mexikanischen Population überkreuzt. Somit ist diese neue »Jacobina aedes aegypti« nunmehr eine Kreuzung dreier Populationen.

Es ist unklar, wie sich solch ein Freisetzungsunfall[9] in Zukunft auf die besagten Krankheiten auswirken wird. Dieser Vorfall zeigt auf, wie wichtig es ist, Überwachungsprogramme einzurichten, um in jedem Fall Ergebnisse zu ermitteln.[10]

Noch unklarer ist, inwieweit sich die neue Spezies auf das Ökosystem auswirken und die Biodiversität aus ihrer Balance geraten wird? Die Ausbreitung auch auf den europäischen Kontinent ist schon ab 2020 denkbar, der Klimawandel begünstigt die Ansiedelung der »Jacobina aedes aegypti«.

Freisetzungsunfälle, wie jener der »aedes aegypti« (Moskitos der Jacobina-Population), betreffen Biodiversität. Das Bekämpfen von menschlichen Krankheiten, wie Gelbfieberarten, Dengue-Fieber, Chikungunyafieber und Zika darf nicht auf Kosten der Umwelt erfolgen.

Dass der Mensch um jeden Preis neue BSN nutzen und umsetzen wird, ist evident. Dagegen ist auch kein GVO[11]-Kraut gewachsen. Ob es nun Unternehmer* sind, die einen neoliberalen Kapitalismus über alles und jeden stellen ohne ethischen Grundsätzen Folge zu leisten oder DIY-Biologinnen*, die in einer überwiegenden Mehrheit bemüht sind, die Ausbeutung ökologischer Ressourcen zu stoppen, den Sündenfall der konventionellen Tier- und Pflanzenzüchtung sowie die Vergiftung der Umwelt durch den Einsatz umweltschädlicher Mittel und Stoffe in der Landwirtschaft wiedergutzumachen, Patente am Leben zu verhindern und sogar biologische Umkehrprozesse einzuleiten, macht einen entscheidenden Unterschied für die Risikoabwägung und die politischen und rechtlichen Maßnahmen, die es zu ergreifen gilt. Auch die Diskrepanz zw »common science« und »open science« ist gesondert wahrzunehmen und nach allen Facetten und Schattierungen zu differenzieren.

Abb 1: Therapie, Heilung, Optimierung und Designer-DNA.[12]

FBsp 2: Anwendungsgebiete der SynBio.

Die nachfolgende Skizze sollen Interessierte für sich selbst beurteilen und interpretieren. Im Zuge des Leseprozesses der vorliegenden Untersuchung werden Leserinnen* feststellen, dass die Tendenz zu den einzelnen Quadranten von der Thematik abhängt und variiert.

Fallbesprechung https://biolaw.one/fbsp-2-anwendungsgebiete-der-synbio/

Angesichts neuer Erkenntnisse der Epigenetik[13] sollten keine Unterscheidung nach hereditären Kriterien der digitalen Genomik erfolgen, da der »analogen Epigenomik« – nach neuesten Erkenntnissen der Forschung – eine immense Bedeutung zukommt.[14]

Um die Problematik auf das Untersuchungsthema einzugrenzen, muss klar sein, wie politische Systeme funktionieren und wohin Lobbyarbeit (ver)führen kann.

Wem hat an die VO 1677/88/EWG[15] letztlich in die Hände gespielt?

Neoliberal-kapitalistische Eliten vereinnahmen nun auch die BSN. Der Gegenwind der DIY-Biologinnen* ist eine kleine öko-soziale Revolution. Die Untersuchung ist kein politisches Manifest, selbst wenn einzelne Passagen die Präferenz oder Tendenz des Verfassers erkennen lässt. Mediale Falschmeldungen und fehlerhafte Kolportagen wie auch juristische Fehlentwicklungen und politisches Versagen sind aufzuzeigen und zu thematisieren.

Neue Zeiten brauchen adaptierte oder neue Maßnahmen. Was LuRsp noch im Technologie- und Informationszeitalter an Lehr-, Richt- und Leitsätzen entwickelt haben, kann im Biotechnologie-Zeitalter unstimmig oder gar obsolet sein.

„Nein, es ist nicht richtig und unverantwortlich, künftigen Generationen die Luft zum Atmen zu nehmen“ ist kein politisches Statement, sondern ein Bekenntnis zu einer politischen Haltung.

Bildergebnis für under the dome

Abb 2: Leben unter der Glaskuppel (Under the Dome)?[16]

Vergeudete Zeit oder sinnvoll investierte Energie?[17]

Das Wissen um die tägliche Extinktion von etwa 200 Arten, erschwert die rechtliche Untersuchungsarbeit zur DIY-Bio. Politischen Entscheidungsträger* haben uns in die Klimakatastrophe geführt. Geist und Elan der DIY-Bio-Szene geben Hoffnung.

Wer nicht mehr gewillt ist, an das Gute zu glauben, leistet dem Bösen Vorschub.[18]

„It was a bright cold day […], and the clocks were striking thirteen.“[19]

Orwell George

Das rechtswissenschaftliche Ziel ist die gesellschaftliche und inter- intra- und multidisziplinäre Neubefassung mit BSN.

Nun, wir sind im 21. Jhdt und die Uhr schlägt längst 25.

Die Präfinalität des Menschen ist keine postfaktische Wahrheit, neue BSN ua die DIY-Bio könnte noch die Rettung bedeuten. Ein Verzicht auf die Ausbeutung der irdischen Öko-Ressourcen oder freiwillige Konsum- und Produktionseinschränkungen sind nicht zu erwarten.

Warnende rechtspolitische Hinweise und Überlegungen sind als Weckruf hins der zu erwartenden gesellschaftlichen, politischen und juristischen Herausforderungen gedacht, die mit den jenseits des Anwendungsbereichs des Gentechnikrechts (iwF GTR) aufkommenden Technologien auf die Menschheit zukommen werden.

  1. Reiter GG., DIY-Bio und SynBio, Genesis der Gentechnikparanoia.
  2. NPBT – New Plant Breeding Techniques; Neue Methoden der Pflanzenzüchtung.
  3. NBTM – Neue biotechnologische Methoden.
  4. BSN – zusammenfassendes Akronym für Biotechnologoie, Synthetische Biologie und Nanotechnologie.
  5. SynBio als Oberbegriff für Systembiologie, Bioinformatik und Molekularbiologie und -genetik.
  6. Prophezeiung? Das in dieser Untersuchung, die im Jahre 2016 ihren Ausgang genommen hat, mehrfach angekündigte Szenario, hat sich nun auch bewahrheitet.
  7. Aedes aegypti – ägyptische Tigermücke, auch Gelbfiebermücke oder Denguemücke genannt, ist eine (sub-)tropische Stechmückenart.
  8. SNP, en: single nucleotide polymorphism.
  9. Kap XI. E. 9. »GVO-Unfälle (§ 4 Z 12 und Z 13 GTG)«, S. 672 ff.
  10. Vgl Evans B. et al, Transgenic Aedes aegypti Mosquitoes Transfer Genes into a Natural Population, in: Scientific Reports, Bd 9, Ausgabe 13047, 10.09.2019, DOI: 10.1038/s41598-019-49660-6, [Abstract durch den Verfasser frei aus dem Englischen übersetzt!].
  11. GVO – gentechnisch veränderter Organismus.
  12. [Darstellung des Verfassers!].
  13. Themenkomplex Epigenetik – Epigenomik [S. XXXIII:77].
  14. Kap XI. H. 1. »Mutation als definitorisches Dilemma«, S. 718 f.
  15. Verordnung (EWG) Nr 1677/88 der Kommission vom 15. Juni 1988 zur Festsetzung von Qualitätsnormen für Gurken, ABl L 1988/150/21-25.
  16. Quelle: IMDb, Under the Dome (2018).
  17. 02.10.2019, Tag 1.000 der Dissertationsarbeit. Auch heute sterben wieder 200 Arten aus; das sind 200.000 seit dem Untersuchungsbeginn.
  18. Die Adulten dieser Welt lassen es zu, dass die 16-Jährige Greta Tintin Eleonora Ernman Thunbergin in Sachen Klimawandel um die Welt getrieben wird und längst ihre Unschuld verloren hat, um für ihre Generation noch ein wenig an Atemluft zu erkämpfen, die wir ihr längst genommen und gg Objekte ohne inneren Wert genommen haben, ob wertlose Dollarscheine oder fiktive Einträge in elektronische Debitorenkonten.
  19. Orwell G., Nineteen Eighty-Four, Secker & Warburg, London 1949, Einleitungssatz.