FBsp 2: Anwendungsgebiete der SynBio

Die nachfolgende Skizze sollen Interessierte für sich selbst beurteilen und interpretieren. Im Zuge des Leseprozesses der vorliegenden Untersuchung werden Leserinnen* feststellen, dass die Tendenz zu den einzelnen Quadranten von der Thematik abhängt und variiert.

Abb 1: Therapie, Heilung, Optimierung und Designer-DNA.[1]

Im ersten Fall können wir einen Organismus behandeln (zum Beispiel Krankheiten), im zweiten Fall würden wir die Zukunft der Spezies beeinflussen. Dem Schaubild wird nun eine neue Dimension hinzugefügt, nämlich die Therapie. Sie führt zur Optimierung organischer Lebensformen. Wenn wir uns auf die Therapie somatischer Zellen konzentrieren, sprechen wir von medizinischen Behandlungen, die zur weltweit gängigen medizinischen Praxis gereift sind.

Angesichts neuer Erkenntnisse der Epigenetik [2] sollten keine Unterscheidung nach hereditären Kriterien der digitalen Genomik erfolgen, da der »analogen Epigenomik« – nach neuesten Erkenntnissen der Forschung – eine immense Bedeutung zukommt.[3]

Was, wenn der Fokus auf somatische Zellen zur Optimierung von Organismen gelegt wird?

Angesprochen ist die plastische Chirurgie mit genetischen Modifikationen. Diese somatischen Optimierungen nehmen auch in der DIY-Bio-Szene zu. Die Optimierung führt jedoch unweigerlich vom medizinischen Zweck weg und zwangsläufig zu einer ökonomischen Optimierung hin. Der individuelle Wettbewerbsvorteil, der seit Menschengedenken gesucht und über Drogen und Dopingmittel auch gefunden wird, steht im Vordergrund. Ob ethischen Grenzen beim Tuning der Mensch selbst oder beim Frisieren seiner biologischen [natürlichen!] Umwelt[4] enden, lässt sich nur im konkreten Kontext der soziokulturellen Verträglichkeit, die der Spiegel des Rechtssystems ist, beantworten.

Was aber kommt danach?

Modifiziert der Mensch die Keimbahn von Organismen, so werden die Dinge „recht kompliziert“.[5] Wenn man über Therapie spricht, schließt man damit automatisch auch die Beeinflussung der Gesundheit zukünftiger Generationen mit ein. Der Mensch kann malignen Zellen der Nachfolgegenerationen behandeln, er kann aber auch neue heranzüchten, die niemand mehr rechtzeitig in den Griff bekommen könnte.

Was aber wird als Krankheit erachtet?

Die Konturen sind sehr verschwommen und variieren je nach Kulturkreis. Das Verständnis von Recht und Ethik ist kein einheitliches, Wertungsmaßstäbe divergieren disziplinär. Allzu konservatives Gedankengut wie auch ein zu liberaler Umgang mit neuen BSN können Mensch und Umwelt immensen Schaden zufügen. Blauäugigkeit und Naivität haben hier keinen Platz mehr. Will eine Gesellschaft etwa keine Mikrosomie oder keine Trisomie 21, so gelten die betroffenen Individuen jetzt schon aus rassenhygienischer Sicht als »unwertes Leben«. Diese eugenische Radikalvariante menschlicher Ideologien ist weder eine vernichtende Schöpfung des NAZI-Regimes der 1930er und 1940er Jahre gewesen noch ist sie mit ihnen untergegangen.

[1]       [Darstellung des Verfassers!].

[2]       Themenkomplex Epigenetik – Epigenomik [S. XXXIII:77].

[3]       Kap XI. H. 1. »Mutation als definitorisches Dilemma«, S. 718 f.

[4]       Pflanzen, Tiere, Pilze, Bakterien, Viren etc.

[5]       Alfred Sinowatz, „Ich weiß, das klingt alles sehr kompliziert […]“, in Regierungserklärung von 1983.

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